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So sehen die Straßenbahnen nach der Modernisierung aus

Aus Alt mach Neu: Modernisierung unserer Straßenbahnen

40 Straßenbahnen schicken wir nach und nach auf Reisen. Die Bahnen, die in den 1990er-Jahren in Betrieb gingen, werden Zug um Zug modernisiert und ertüchtigt. Wir erneuern unsere Fahrzeuge damit zur Hälfte ihrer Lebenszeit noch einmal von Grund auf und bringen sie auf den aktuellen Stand der Technik, um sie so für weitere 15 bis 20 Betriebsjahre fit zu machen. Die erste dreigliedrige Straßenbahn, die Insidern auch unter der Bezeichnung GT6N bekannt ist, ging im September 2016 zur Firma IFTEC nach Leipzig, die sich auf die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen spezialisiert hat. Nach der Modernisierung und Lackierung ist sie nun wieder zurück in Nürnberg und wartet auf ihren Einsatz auf der Schiene. Bis es so weit ist, müssen unsere Spezialisten ein letztes Mal Hand anlegen, Motoren, Drehgestelle und Bremsen wieder einbauen und sie so fit für den Einsatz im Betrieb machen, damit sie eine weitere Million Kilometer fahren kann. Im ersten Quartal 2018 ist die Straßenbahn mit neuem Aussehen wieder im Netz unterwegs.

So geht es mit den Bahnen weiter
Die zweite Straßenbahn ist bereits auf Reisen, weitere Bahnen folgen in kurzen Abständen. Die Modernisierung aller Straßenbahnen – 14  des Typs GT6N und 26 des Typs GT8N – soll bis Anfang 2022 abgeschlossen sein, der Projektwert beläuft sich auf knapp 24 Millionen Euro. Das ist in jedem Fall günstiger, als eine andernfalls erforderliche Neubeschaffung.

Technik und Design: Was passiert mit den Straßenbahnen?

Die Modernisierung umfasst mehrere Schritte:

Technische Neuerungen:

  • Zu Beginn der Modernisierung bauen wir in Nürnberg Drehgestelle, Motoren und Bremsen aus und arbeiten die Teile in den kommenden Wochen in unserer Werkstatt auf.
  • In Leipzig wird das Fahrzeug, eines besteht aus drei Wagenteilen, nahezu vollständig entkernt: Sitze, Haltestangen, Fußboden, Innen- und Deckenverkleidungen werden ausgebaut.
  • Anschließend erneuern die Experten die einzelnen Teile oder setzen sie – falls möglich – instand. Das entscheiden sie von Fahrzeug zu Fahrzeug neu.
  • Die Faltenbälge, die Verbindungen zwischen den Wagen, werden erneuert, ebenso die Gelenklager.
  • Den Wagenkasten untersuchen die Experten von innen und außen auf Risse. Selbst noch so kleine Risse entgehen ihnen nicht. Werden sie fündig, sanieren sie diese sowie die witterungsbedingten Korrosionsschäden.
  • Die Außen- und Signalbeleuchtung, wie die Blinklichter, ersetzen die Spezialisten durch moderne LED-Leuchten. Nach dem Umbau erkennen bei allen Straßenbahnen die Türen sogar Hundeleinen, weil nun auch die Türen der GT6N-Baureihe eine sogenannte Türschließkantenüberwachung haben. Die etwas neueren GT8N-Modelle hatten diese Funktion bereits von Beginn an, sie muss hier nicht nachgerüstet werden. Damit sind künftig alle Straßenbahnen und U-Bahnen mit dem neuesten Sicherheitsstandard versehen.

Im Zuge der technischen Instandsetzung entschieden wir uns auch dafür, den Fahrgastinnenraum – für noch mehr Fahrgastkomfort – neu zu gestalten und zu erneuern.


  • Künftig werden im Inneren die Farben Graphitschwarz, Graphitgrau und Schiefergrau eine ruhige Atmosphäre schaffen.
  • Die Sitze kommen in Signalrot bestens zur Geltung.
  • Wertig wirken die Haltestangen und Griffe aus Edelstahl.
  • Auffallend die Notbremsschalter sowie die Haltewunschtaster in Feuerrot. Diese, wie auch die gelben Sicherheitsstreifen in den Ein- und Ausstiegsbereichen der Türen, sind auch für Menschen mit verminderter Sehkraft gut sichtbar.
  • Aber nicht nur deshalb wirkt der Innenraum der Straßenbahnen aufgeräumter: Die Sitzplätze ordnen wir neu an, teils längs zur Fahrtrichtung, so entsteht ein großzügiges Raumgefühl. Insgesamt wirkt der Fahrgastraum heller und größer, dazu tragen auch  die zwei Lichtbänder an der Decke bei, anstatt wie bisher nur eines.

Von außen bekommen die Fahrzeuge eine neue Lackierung.

Die neue Außenlackierung in unserem Design lässt die Bahnen dynamischer erscheinen. Die karminroten Farbflächen im Front- und Heckbereich, die künftig größer ausfallen, haben aber noch einen positiven Nebeneffekt: Nach Unfällen, bei denen links abbiegende Pkw-Fahrer die neben ihnen fahrende Straßenbahn übersehen, müssen wir künftig im typischen Anprallbereich nicht mehr dreifarbig lackieren. Das reduziert Kosten und Standzeiten.

Experten sind gefragt: Fachwissen und Genauigkeit

Für die grundlegende Modernisierung unserer Bahnen brauchen wir Spezialisten mit Fachwissen. Das zum einen durch externe Profis. Hier setzen wir auf die Zusammenarbeit mit Kiepe Electric Düsseldorf und IFTEC Leipzig, die nach einer europaweitern Ausschreibung den Zuschlag für die Modernisierung unserer Bahnen erhielten. Beide habe viel Erfahrung bei der Modernisierung von Schienenfahrzeugen, beispielsweise mit 55 baugleichen Münchener Fahrzeugen.

Spezialisten mit viel Know-How
Doch auch unser eigenes Personal muss fit sein und das nötige Know-how haben. Sie müssen auf jedes Detail achten und das Gesamtprojekt fest im Blick haben. Das Herausfordernde ist, dass es sich letztlich um ein ‚altes‘ Fahrzeug handelt, das auch nach den teilweise sicherheitsrelevanten Änderungen wieder zulassungsfähig sein muss. Hier ist es besonders wichtig, frühzeitig mit den Gutachtern des TÜV Süd und der Technischen Aufsichtsbehörde zu klären, ob die anstehenden Veränderungen am Fahrzeug nach dem damaligen Regelwerk betrachtet werden können oder die neue Normenwelt zur Anwendung kommt. Die Bahnen sind teils fast 20 Jahre alt, damals galten andere Vorschriften als heute. Deshalb müssen wir genau abwägen, was wir tun. So wird eine zirka 150 Punkte umfassende Liste geführt, um über die geplanten Maßnahmen den Überblick zu behalten.

Zahlen und Fakten rund um die Neuen

Wissenswertes, das man so schnell nicht mehr vergisst:

  • Zirka 40 Haltestangen werden pro Fahrzeug verbaut. Also knapp 1.600 Stück in allen 40 Fahrzeugen zusammen. Pro Bahn sind das rund 66 Meter Haltestangenrohre. Würde man sie alle aneinander legen, ergibt das eine Strecke von etwa 2,7 Kilometern. Das entspricht in etwa dem Fußweg vom Plärrer zum Schönen Brunnen am Hauptmarkt und wieder zurück.

  • Für Straßenbahnen gilt folgende Faustregel: Im Laufe ihrer rund 40-jährigen Lebensdauer kosten Instandhaltung, Reparaturen und Modernisierung für ein Fahrzeug etwa noch einmal so viel wie die Anschaffungskosten.

  • Pro Fahrzeug werden 30 Quadratmeter neuer Fußboden verlegt. Das sind zusammen 1.200 Quadratmeter. Das ist etwa die Oberfläche von vier Schwimmbecken (25 x 12,5 Meter) nebeneinander.

  • Auch das neue Material für die Sitzpolster läppert sich. In jeder Straßenbahn werden 45 Quadratmeter Stoff eingesetzt. Das sind am Ende 1.800 Quadratmeter Stoff. Mit dieser Stoffmenge könnte man auch etwa ein Eishockeyfeld auslegen.

  • Rund 2.300 Meter Lichtbänder sind am Ende in allen 40 Fahrzeugen zusammen verbaut. Das wäre eine tolle Lichterkette um den kleinen Dutzendteich und den angrenzenden Silbersee.

Die Modernisierung in Bildern

Hier gibt es einen Eindruck von der Modernisierung

Klicken Sie auf die Bilder, um diese zu vergrößern:

 
 
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