Der erste neue U-Bahn-Zug des Typs G1 der VAG ist in Nürnberg angekommen – Zwei Fahrzeuge sind bereits im Siemens-Testcenter Wegberg-Wildenrath

Kleiner Bahnhof für den neuen U-Bahn-Zug: Nur die Mitarbeiter der U-Bahnwagen-Werkstatt der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg und einige von Siemens haben am Freitagvormittag, 3. Mai 2019, den ersten U-Bahn-Zug des Typs G1 in Empfang genommen. Der knapp 76 Meter lange, viergliedrige Zug wurde auf Bahngleisen vom Wiener Siemens-Werk nach Nürnberg-Langwasser gebracht. Der neue U-Bahn-Zug rollte auf eigenen Rädern, wenn auch nicht selbständig. Er wurde zwischen zwei spezielle Güterwaggons „gepackt“ und von einer Lokomotive gezogen.

VAG-Projektleiter Bernd Meier-Alt freut sich: „Wir haben auf diesen Tag hingearbeitet und gefiebert. In den nächsten Monaten haben wir ein strammes, arbeitsintensives Programm. Um den Jahreswechsel 2019 / 2020 wollen wir in den Fahrgastbetrieb gehen.“ Bis U-Bahnen in Betrieb gehen können, vergehen in der Regel Monate. Sie durchlaufen zwar schon im Werk des Herstellers eine Reihe von Tests und werden dort von dessen Qualitätskontrolle sowie der VAG akribisch begutachtet. Die eigentliche Inbetriebnahme, Abnahme und Zulassung kann aber erst bei der VAG erfolgen.

Viele Prüfungen und Tests

In den nächsten Wochen „gehört“ das Fahrzeug noch dem Inbetriebnahme-Team von Siemens, das sich für die nächsten Monate und Jahre in der U-Bahn-Wagenwerkstatt der VAG einrichtet. Es checkt jedes Fahrzeug nach dem Transport noch einmal komplett durch und bereitet es für die erste Fahrt in Nürnberg vor. Etwa zwei Wochen dauert das. So können z. B. Stromabnehmer und Bahnräumer erst in Nürnberg montiert werden. Als nächstes folgen erste Fahrten auf dem VAG-eigenen Prüfgleis im Betriebshof in Nürnberg-Langwasser. Dabei geht es vor allem darum, die Fahr- und Bremseigenschaften zu überprüfen und zu optimieren. Es folgen schließlich erste Fahrten im Netz. Zunächst in der Betriebsruhe, um zu sehen, ob der Zug tatsächlich an jedem Punkt ohne Probleme durch den Tunnel passt. Der sogenannte Lichtraum – also der Abstand zwischen Tunnel und Zug – ist zwar Basis der Konstruktion, dass er passt, muss aber praktisch nachgewiesen werden. Erst danach, voraus-sichtlich ab Mitte Juli, können weitere Prüf- und Testfahrten im Netz erfolgen. Das Inbetriebsetzungsteam von Siemens, Mitarbeiter der U-Bahn-Wagenwerkstatt und des Betriebes der VAG arbeiten Hand in Hand und übernehmen das Feintuning der Fahrzeuge. In bestimmten Phasen werden die Gutachter des TÜV Süd sowie die Technische Aufsichtsbehörde der Regierung von Mittelfranken einbezogen. Das geht Fahrzeug für Fahrzeug so. Etwa alle vier bis fünf Wochen wird ein neuer G1 geliefert.

Zwei Fahrzeuge im Siemens-Testcenter

Die ersten beiden G1 befinden sich seit Ende Januar 2019 im Siemens-Testcenter in Wegberg-Wildenrath, nahe der niederländischen Grenze. Das Siemens-Testcenter ist eines von nur acht weltweit und zudem eines der modernsten.

Bereits in Wien absolvierten beide Fahrzeuge Funktionstests im Stillstand. Einer der beiden Züge wurde zudem in einer riesigen Klimakammer extremen Temperaturen ausgesetzt und musste zeigen, ob dennoch alle Fahrzeugfunktionen bis hin zur Klimatisierung und Heizung zur Verfügung stehen. Mit positivem Ergebnis.
Die statischen und dynamischen Tests, die die beiden Fahrzeuge im Prüfcenter stellvertretend für die Flotte durchlaufen, dienen dazu, alle Funktionen auf Herz und Nieren zu prüfen. Auf hochmodernen Prüfständen und auf über 30 Kilometern Gleis können die unterschiedlichen Alltags- wie Extremsituationen simuliert werden. So wird das Verhalten beim Fahren und Bremsen bei unterschiedlichen Gleis- und Beladungszuständen getestet sowie der Gleit- und Schleu-derschutz – vergleichbar mit dem ABS beim Pkw – optimiert. Aufgrund seiner Lage und Konzeption eignet sich das Prüf-center auch sehr gut für Akustikmessungen und Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit. Die Federführung im Prüf- und Validationscenter obliegt Siemens. Die VAG, die Technische Aufsichtsbehörde und deren Gutachter TÜV Süd Rail sind eingebunden. Denn die Prüfungen und Tests sind Teil des Zulassungsprozesses. Anhand der Erkenntnisse werden die Einstellungen aller weiteren Fahrzeuge optimiert. Voraussichtlich Ende Juli 2019 haben beide Fahrzeuge das Programm geschafft.

Sowohl die Erstinbetriebnahme und Typprüfung im Siemens-Testcenter als auch die Prüfungen und Tests bei der VAG haben nur ein Ziel: einen sicheren und zuverlässigen Betrieb ab dem ersten Tag.

Auftragsvolumen

Bis 2022 liefert die Siemens AG der VAG insgesamt 34 neue U-Bahnen des Typs G1. Die erste Bestellung erfolgte Ende 2015. Im Herbst 2018 und im März 2019 wurden zwei Optionen gezogen. Die Bahnen ersetzen Altfahrzeuge, dienen aber auch der Verstärkung der Flotte, da die VAG mit weiter steigenden Fahrgastzahlen rechnet. Insgesamt investiert die VAG in die 34 Fahrzeuge 263,2 Millionen Euro, von denen nunmehr 54,2 Millionen durch Zuschüsse gedeckt sind.

 

 

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