Fahrplanauskunft
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Die Sache mit den Anschlüssen

Unsere Busse und Bahnen verkehren auf festen Linien zu festen Zeiten. Das hat den Vorteil, dass unsere Fahrgäste ihre Reise - solange der Fahrplan eingehalten werden kann - sehr gut planen können und genau wissen, wann sie wo ankommen. Es hat aber auch den Nachteil, dass sie unter Umständen ihr Ziel nur mit Umsteigen erreichen können.
Umsteigen finden die meisten unbequem und lästig. Es ist aber leider nicht für alle Verkehrsbeziehungen zu vermeiden. Beim Autofahren gibt es ja auch nicht zu jedem Ziel eine Autobahn; es muss öfter abgebogen und die Straße gewechselt werden.
Am besten ist natürlich, wenn zum Umsteigen genug Zeit zum Erreichen der anderen Linie bleibt, inklusive einer kleinen Reserve, aber man auch nicht zu lange warten muss.

Je nach Wartezeit teilen wir Anschlüsse in verschiedene Klassen ein:

  • kein Anschluss, wenn zwischen Ankunft und Abfahrt zu viel Zeit liegt, um noch von einer Koordinierung zu sprechen
  • warten, wenn die Wartezeit zwar groß aber noch zumutbar ist
  • gesichert, wenn genug Zeit zum Umsteigen bleibt, man aber auch nicht zu langen warten muss
  • Risiko, wenn man es nur mit „Rennen“ schafft
  • beinahe, wenn der Zubringer Verfrühung oder der Abbringer Verspätung hat (Anschluss ergibt sich zufällig weil es eine Störung gibt)

Anschluesse

Insbesondere die beiden letztgenannten sind für unsere Fahrgäste häufig sehr ärgerlich. Es sind teilweise noch die Rücklichter zu sehen, man muss aber trotzdem, unter Umständen auch länger, auf den nächsten Bus warten. Deshalb versuchen wir dies zu vermeiden, und die An- und Abfahrtszeiten von mehreren Linien an einer Haltestelle so gut wie möglich aufeinander abzustimmen.
Hierfür werden bei der Fahrplanerstellung wichtige Umsteigeverknüpfungen als Rahmenbedingungen festgelegt. Zusammen mit Fahrzeiten, Reservezeiten, Haltestellenlage, etc. dienen diese gesicherten Anschlüsse als Rahmen für die Fahrplanerstellung.

Gesicherte Anschlüsse zeichnen sich durch genug Zeit zum Umsteigen aus, ohne die Wartezeit stark zu verlängern. Auf gesicherte Anschlüsse kann sich der Fahrgast im Normalfall verlassen, da die Linien aufeinander warten. Gibt es jetzt aber größere Verspätungen, wie etwa durch einen Unfall oder eine hohe Verkehrsbelastung, kann es passieren, dass die eine Linie nicht mehr auf die andere warten kann, ohne weitere Verspätungen und verpasste Anschlüsse zu riskieren. Es kommt zum Dominoeffekt. Um die Auswirkungen zu begrenzen, müssen wir eine Entscheidung treffen. Einige Fahrgäste werden unter Umständen zu "Verlierern".

Warum gibt es nicht überall gesicherte Anschlüsse?

Nachdem die möglichen Anschlussbeziehungen oben beschrieben wurden, müsste es ja ein leichtes sein, immer gesicherte Anschlüsse herzustellen. Leider ist das nicht so einfach möglich, was an zwei Beispielen gezeigt werden soll.

Koordinierung an einer Haltestelle

Je mehr Linien sich an einer Haltestelle treffen und je mehr Linien es insgesamt gibt, umso komplizierter wird die Koordinierung.

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Ein Fahrgast der Linie A, der von „links“ an die Kreuzung kommt, hat nun, wie auch ein Fußgänger, Rad- bzw. Autofahrer, vier Möglichkeiten weiter zu fahren:

  • Er fährt gerade aus weiter, kann also sitzen bleiben. Wir versuchen dies den meisten Fahrgästen anzubieten, indem die Linie dorthin fährt, wo die meisten Fahrgäste ihr Ziel haben.
  • Er kann in die Linie B nach oben umsteigen.
  • Er kann in die Linie B nach unten umsteigen.
  • Er kann wieder zurück nach links fahren, indem er in die Linie A in die andere Richtung umsteigt. Dies wird eher selten der Fall sein, soll aber der Vollständigkeit halber genannt werden.

Da Fahrgäste aus vier Richtungen kommen, gibt es insgesamt 16 Fahrmöglichkeiten. Davon sind vier weiterfahren, vier zurückfahren und acht umsteigen in eine andere Linie.
Treffen an einer Kreuzung drei Linien aufeinander, gibt es bereits 36 Möglichkeiten weiter zu fahren. Aus jeder der sechs Richtungen in sechs Richtungen. Selbst wenn man nur sinnvolle Möglichkeiten betrachtet - man fährt nicht sofort wieder zurück und berücksichtigt die Weiterfahrt nicht - verbleiben bei drei Linien bereits 24 Umsteigemöglichkeiten! Kommen weitere Linien dazu, nimmt die Anzahl der Umsteigemöglichkeiten überproportional zu.

Um es nun allen Fahrgästen zu ermöglichen, möglichst bequem ohne lange Wartezeiten umzusteigen, wäre es am günstigsten, wenn sich an der Kreuzung immer alle Busse zur gleichen Zeit eintreffen und wieder losfahren. Genau dies passiert in Nürnberg jeden Samstag- und Sonntagmorgen, wenn sich am Hauptbahnhof die NightLiner treffen. Tagsüber sind aber wesentlich mehr Linien und Fahrgäste unterwegs. Träfen sich alle an einer Haltestelle, das Chaos wäre vorprogrammiert.

Ein naheliegender Gedanke ist nun, an jeder Haltestelle, an der sich mindestens zwei Linien treffen, diese jeweils einige Minuten warten zu lassen, bis alle Fahrgäste im richtigen Fahrzeug sind. Dies hätte aber zwei große Nachteile:

  • Es gibt in Nürnberg ziemlich viele Haltestellen, an denen sich mehrere Linien treffen. Würden nun alle Fahrzeuge immer warten, die Fahrzeiten für alle Fahrgäste erhöhten sich drastisch. Bisher dauert eine Fahrt durchschnittlich nur ca. 15 Minuten; anderenfalls vermutlich mehr als 25 Minuten.
  • Es müsste an allen Haltestellen genug Platz vorhanden sein, um alle gleichzeitig ankommenden Busse und Bahnen halten lassen zu können. In einer kompakten und alten Stadt wie Nürnberg unmöglich.

Koordinierung im Liniennetz

Beide oben genannten Gründe verhindern eine Umsetzung in die Praxis. Daneben gibt es noch ein weiteres großes Hindernis für direktes Umsteigen in einem größeren Netz: Die Fahrzeiten zwischen allen Umsteigehaltestellen müssten möglichst ähnlich sein, wie es die Grundlage für den so genannten Integrierten TaktFahrplan, ITF, ist, damit alle Busse und Bahnen nach Abfahrt wieder zur selben Zeit an der nächsten Haltestelle mit anderen Linien zusammentreffen. In einer gewachsenen Stadt wie Nürnberg ist dies aber schlicht unmöglich. Damit ergeben sich aus den Fahrzeiten der Busse und Bahnen sowie aus den Abfahrtszeiten an den wichtigsten Haltestellen zahlreiche Zwangsbedingungen.

An einem vereinfachten Beispiel soll dies erläutert werden:

  • Der Takt beträgt 20 Minuten, d.h. alle 20 Minuten fährt ein Fahrzeug jeder Linie in Pfeilrichtung.
  • Die Umsteigezeit an der Haltestelle B und C ist jeweils eine Minute.

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Um 10:00 Uhr fahren an der Haltestelle A die Busse der Linien 1 und 2 los. Die Linie 2 ist um 10:07 Uhr an der Haltestelle B. Hier kann nun der Fahrgast Müller, der um 10:03 Uhr an D eingestiegen ist und nach C will sowie der Fahrgast Schmidt, der von A nach E will umsteigen. Da häufig Fahrgäste so wie diese beiden fahren, ist an der Haltestelle B ein Anschluss zur Linie 3 eingerichtet und gesichert. Die Linie 3 fährt an der Haltestelle B um 10:08 ab und nimmt die beiden Fahrgäste der Linie 2 mit. In der Linie 3 gibt es noch den Fahrgast Bauer der nach F will und dafür in C in die Linie 1 umsteigen muss.

Nach vier Minuten Fahrzeit ist der Bus der Linie 3 um 10:12 Uhr in E, Fahrgast Schmidt steigt aus und ist nach 12 Minuten am Ziel. Weitere fünf Minuten später ist die Linie um 10:17 in C. Der Fahrgast Müller ist nach 14 Minuten am Ziel. Fahrgast Bauer will aber weiter nach F. Der Bus der Linie 1 der um 10:00 Uhr in A gestartet ist, war um 10:08 Uhr in C.

Hier bieten sich nun zwei Möglichkeiten:

Entweder der Bus der Linie 1 wartet in C acht Minuten bis 10:18 Uhr und nimmt Fahrgast Bauer mit.

  • Das freut sicherlich Fahrgast Bauer, der direkt umsteigen kann.
  • Die anderen fünf Fahrgäste, die direkt von A nach F wollen, müssen aber alle zehn Minuten in C auf Fahrgast Bauer warten und sind erst um 10:24 Uhr in C.

oder

Fahrgast Bauer wartet in C auf den nächsten Bus der Linie 1, der 10:28 Uhr in C eintrifft.

  • Das freut sicherlich die anderen fünf Fahrgäste, die nun um 10:14 Uhr in F sind.
  • Dafür muss aber Fahrgast Bauer elf Minuten in C warten.

In einer Abwägung müssen wir nun entscheiden, wen wir „warten lassen müssen“. So gibt es immer Gewinner und Verlierer.

Resümee
Trotzdem versuchen wir alles, um das Umsteigen für die Mehrzahl der Fahrgäste möglichst bequem zu machen. Hierfür werden an Umsteigehaltestellen die An- und Abfahrtszeiten der Linien untereinander koordiniert, zwischen denen die meisten Fahrgäste umsteigen. Für andere Fahrgäste kann dies aber zu etwas längeren Wartezeiten führen. Manchmal sind die Randbedingungen so ungünstig, dass an einer Haltestelle kein Anschluss gesichert werden kann. Verbessert man die Situation an dieser Stelle, hat das aber durch die enge Verflechtung und Verzahnung sofort Auswirkungen auf andere Haltestellen und Fahrgäste.

Sollten Sie doch einmal gerade einen Anschluss verpasst haben, erinnern Sie sich vielleicht an das gerade Gelesene …