Meine VAG
Freie Fahrt für Bus und Bahn
Beschleunigungsmaßnahmen
Sie haben sich sicher schon mal geärgert, wenn Ihr Bus oder Ihre Straßenbahn nicht pünktlich waren. In den wenigsten Fällen ist es unser Verschulden. Vielmehr sind es die alltäglichen Behinderungen im Straßenverkehr, denen die öffentlichen Verkehrsmittel ausgesetzt sind und die zu Verspätungen führen. In Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg haben wir deshalb bereits vor mehr als 30 Jahren damit begonnen, durch so genannte Beschleunigungsmaßnahmen den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen. Einige der wichtigsten Maßnahmen sollen hier vorgestellt werden.
Eigene Fahrwege
Die beste Möglichkeit, Busse und Straßenbahnen schneller und zuverlässiger zu machen ist die Schaffung eigener Fahrwege, die von denen des Autoverkehrs getrennt sind. Die Straßenbahn in Nürnberg verkehrt auf ca. 40 Prozent ihres Streckenetzes auf einem separaten, von der Straße getrennten Bahnkörper.
Chart: Übersicht Bahnkörper Straßenbahn
Im Busbereich beträgt die Gesamtlänge aller Busspuren und Sonderfahrstreifen ca. 15 Kilometer. Bezogen auf das gesamte Busstreckennetz ist das ein Anteil von etwa zwei Prozent. Allerdings ist - so wünschenswert es auch wäre - dieser Anteil nicht beliebig steigerbar, da dafür häufig nicht der Platz im Straßenraum vorhanden ist.
Vorrang an den Ampeln
Dass, wovon die meisten Autofahrer träumen, können unsere Busse und Straßenbahnen: die Ampelschaltungen beeinflussen. Dabei ist es nicht etwa so, dass der Fahrer einen Knopf drücken muss. Hinter dem Ganzen steckt eine ausgeklügelte Technik, die völlig ohne Eingreifen des Fahrers auskommt.
Wie funktioniert eine solche Ampelbeeinflussung? Zunächst einmal muss das Steuergerät der Ampel wissen, wann ein Bus oder eine Straßenbahn kommt, d.h. die Fahrzeuge müssen erkannt werden. Früher war das bei der Straßenbahn nur über Kontakte an der Fahrleitung oder an den Weichen machbar. Beim Bus gab es nur die Möglichkeit, in der Fahrbahn verlegte Induktionsschleifen zu verwenden.
Seit 1991 versuchsweise und seit 1996 flächendeckend kommt in Nürnberg das Anforderungssystem Bake/Funk zum Einsatz. Dabei übertragen an der Strecke platzierten Baken automatisch bei jeder Vorbeifahrt Informationen an das Fahrzeug, wie zum Beispiel die Entfernungen der Meldepunkte. Das sind Punkte, an denen die Straßenbahn oder der Bus ein Funktelegramm an die Ampel senden soll. Diese Informationen werden mit fahrzeugspezifischen Daten aus dem Bordcomputer - wie beispielsweise der Liniennummer - ergänzt. Hat das Fahrzeug die von der Bake übermittelte Wegstrecke zurückgelegt und den ersten Meldepunkt, den so genannten Anforderungspunkt, erreicht, wird ein Funktelegramm an das Steuergerät der nächsten Ampel gesendet. Dieses schaltet dann die Freigabezeiten so, dass die Busse oder Straßenbahnen mit möglichst geringen Wartezeiten die Kreuzung passieren können.
Wenn das Fahrzeug die Haltelinie überfahren hat, sendet es ein Abmeldetelegramm an die Ampel, so dass diese "weiß", dass das Fahrzeug den Knoten passiert hat. Je nach Stärke des Eingriffs erhalten dann die anderen Richtungen, die vorher vielleicht etwas länger warten mussten, nun längere Grünzeiten. So wird die Leistungsfähigkeit einer solchen Kreuzung nicht beeinträchtigt. Vorrang für den ÖPNV bedeutet also nicht zwangsläufig, dass Nachteile für den Autoverkehr entstehen. Ganz im Gegenteil, die Autos die in der gleichen Richtung wie ein Bus oder eine Straßenbahn fahren profitieren sogar sehr oft davon.
Insgesamt gibt es im Nürnberger Stadtgebiet ca. 530 Ampeln. An 115 davon verkehren Straßenbahnlinien. Sie können zur Zeit an 83 Prozent dieser Ampeln die Freigabezeiten zu ihren Gunsten beeinflussen. Das ist weniger als noch vor einem Jahr. Dies daran liegt, dass einige Vorrangschaltungen, die im Zuge von Baumaßnahmen verändert oder abgeschaltet werden mussten, noch nicht wieder in Betrieb genommen werden konnten.
Aber langsam wendet sich wieder das Blatt: Seit dem 14. Februar 2011 läuft an zwei Ampeln in der Katzwanger Straße, am Trafowerk sowie an der Ingolstädter Straße, die Vorrangschaltung für die Straßenbahn wieder. Neu ist jetzt auch die Buslinie 67 bevorrechtigt.
Chart: Übersicht Ampelbeeinflussung Straßenbahn
Im Busliniennetz der VAG gibt es ca. 320 Ampeln, von denen derzeit immerhin fast ein Drittel mit Vorrangschaltungen ausgestattet sind.
Chart: Übersicht Ampelbeeinflussung Bus
Wichtig ist, dass immer ganze Linien oder zumindest Linienabschnitte mit Vorrangschaltungen ausgestattet werden. Nur so lassen sich spürbare Verbesserungen erzielen. Um keine Nachteile für kreuzende Linien entstehen zulassen, werden diese in Nürnberg grundsätzlich mit in die Beschleunigung einbezogen. Bei den Ampelsteuerungen, welche vom Verkehrsplanungsamt der Stadt Nürnberg geplant und erstellt werden, wird zudem darauf geachtet, dass der Individualverkehr nicht mehr als unvermeidbar beeinträchtigt wird. Deshalb haben Busse und Straßenbahnen nicht an jeder Ampel immer freie Fahrt.
Die erste komplett beschleunigte Linie war die Buslinie 44. Dieses Projekt wurde Ende 1999 fertig gestellt. Es beinhaltete neben der Ampelbeeinflussung auch die Anlage von Busspuren, den Umbau der Stephanstraße sowie die Beschaffung eines neuen Verkehrsrechners, durch den die Realisierung intelligenter, verkehrsabhängiger Steuerungen überhaupt erst möglich wurde. Im Jahr 2006 wurde die Beschleunigung der Linie 65 zwischen Hohe Marter und Dutzendteich fertiggestellt.
Chart: Busschleuse an der Südkaserne Linie 65
Durch die Vorrangschaltungen konnte eine Fahrzeiteinsparung von etwa zweieinhalb Minuten pro Richtung erzielt werden. Das entspricht einer Einsparung von 15 Prozent.
Verkehrsorganisatorische Maßnahmen
Neben der Schaffung eigener Fahrwege und der Ampelbeeinflussung gibt es auch eine Vielzahl anderer Maßnahmen, die helfen öffentliche Verkehrsmittel zu beschleunigen. Dazu zählen auch verkehrsorganisatorische Maßnahmen, wie zum Beispiel die Beschilderung von Halteverboten, die Einrichtung von Vorfahrtsregelungen zu Gunsten öffentlicher Verkehrsmittel, die Erlaubnis des Benutzens von Rechtsabbiegespuren für geradeaus fahrende Busse oder aber das Aufbringen von Abmarkierungen. Diese oftmals nur kleinen Maßnamen tragen in ihrer Gesamtheit ebenfalls dazu bei, den Bus- und Straßenbahnbetrieb schneller und zuverlässiger zu machen.
Barrierefreier Zugang
Ein wichtiger Aspekt beim Thema Beschleunigung ist der auch der Umbau der Haltestellen und der Einsatz von Niederflurfahrzeugen. Die gesamte Fahrzeugflotte der VAG besteht mittlerweile komplett aus niederflurigen Fahrzeugen bei denen mindestens eine Tür vorhanden ist, wo keine Treppenstufen mehr erklommen werden müssen.
Durch Anhebung der Haltestellenflächen wird der Niveaunterschied zwischen Haltestellefläche und Fahrzeugboden minimiert, so dass nur noch eine Reststufe von fünf bis zehn Zentimetern vorhanden ist. Dies kommt nicht nur behinderten Menschen zu Gute; es beschleunigt auch den Fahrgastwechsel erheblich. Das führt wiederum zu einer Verkürzung der Haltestellenaufenthaltszeiten und somit auch der Reisezeiten.
Im Nürnberger Straßenbahnnetz sind derzeit 108 der insgesamt 156 Richtungshaltestellen niederflurgerecht ausgebaut. D. h. sie verfügen über eine Bordsteinhöhe von bis zu 25 cm.
Chart: Übersicht Haltestellenausbau Straßenbahn
136 Haltestellen sind mit Blindenleitstreifen ausgestattet, die blinden Menschen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erleichtern. Zuletzt wurden die Haltestelle Julienstraße (Linie 6) behindertengerecht umgebaut. Dabei erfolgt die Planung für einen derartigen Umbau grundsätzlich in enger Zusammenarbeit mit den Behindertenverbänden.
Chart: Behindertengerechte Haltestelle Doku-Zentrum
Auch im Busbereich werden Haltestellen sukzessive behindertengerecht umgebaut. Im Gegensatz zu den Straßenbahnhaltestellen erfolgt dies jedoch durch die Stadt Nürnberg im Zuge von Straßenbaumaßnahmen. Bushaltestellen können in der Regel nicht ganz so hoch gebaut werden wie Straßenbahnhaltestellen. Das liegt daran, dass die Busse bei der Anfahrt die Haltestellenfläche teilweise mit ihrem Überhang etwas überstreichen. Wäre die Haltestellenfläche zu hoch, würden die Busse aufsetzen. Dieser Nachteil wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass alle unsere Busse abgesenkt werden können und somit ein leichteres Einsteigen möglich ist.
Das rechnergesteuerte Betriebsleitsystem (RBL)
Als einer der ersten Verkehrsbetriebe in Deutschland führte die VAG bereits im Jahre 1982 ein rechnergesteuertes Betriebsleitsystem, kurz RBL genannt, ein. Das RBL dient der Überwachung und Steuerung des gesamten Betriebes, in dem es dem Disponenten in der Leitstelle den Standort und die Pünktlichkeit jedes einzelnen Fahrzeuges anzeigt. Es ermöglicht ihm, Verspätungen schnell zu erkennen und einzugreifen oder bei Störungen entsprechende Umleitungsstrecken einzurichten. Außerdem speichert es die Ankunfts- und Abfahrtsdaten an von jedem Fahrzeug an jeder der insgesamt 1800 Haltestellen. So können wir auch immer feststellen, ob ein Bus oder eine Straßenbahn pünktlich abgefahren ist oder nicht.
Die Sache mit der Pünktlichkeit
Apropos Pünktlichkeit ... wissen Sie eigentlich wie pünktlich die VAG ist? Wir schon! Im Jahr 2010 hatte die Straßenbahn bei knapp 91 Prozent aller Haltestellenabfahrten eine Verspätung von weniger als zwei Minuten. Sie ist damit das pünktlichste Oberflächenverkehrsmittel. Bei den Nürnberger Buslinien betrug der Pünktlichkeitsanteil immerhin 82 Prozent.
Diese guten Werte sind nicht zuletzt das Ergebnis der in den zurückliegenden Jahren durchgeführten Beschleunigungsmaßnahmen. Wir werden auch weiterhin - zusammen mit den Kollegen des Verkehrsplanungsamtes und des Tiefbauamtes Stadt Nürnberg - in Sachen Beschleunigung für Sie am Ball bleiben, damit Sie sicher, schnell und pünktlich an Ihr Ziel kommen.


