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Goldene Früchte mitten in der Großstadt

Hesperidengärten

Wo kann man mitten in der Großstadt den Trubel und den Lärm vergessen? Der Fotograf Herbert Liedel muss da nicht lange überlegen. "Mein kleines Paradies sind die Hesperidengärten in der Johannisstraße", sagt der 57-Jährige, der schon über 40 großformatige Bildbände über Nürnberg und Franken veröffentlicht hat. In Nürnberg sind nur wenige der Barockgärten erhalten geblieben, die reiche Kaufleute im 17. und 18. Jahrhundert nach dem Vorbild der prachtvollen Lustgärten der Adeligen errichten ließen. Öffentlich zugänglich sind von April bis Oktober die Gartenanlagen in der Johannisstraße 13 und 47. Von den Haltestellen Hallerstraße und Hallertor der Straßenbahnlinie 6 sind es nur ein paar Schritte, um in diese ganz andere Welt abzutauchen.

Die schmalen und lang gezogenen Gärten zieren eine Reihe von barocken Steinskulpturen. Sie heißen "Die Tugend" oder "Das Laster", stellen aber auch Götter wie Athene, Apollo und Diana dar. Die Putten an einem der Wasserbecken versinnbildlichen die vier Jahreszeiten, an einem anderen sind es die Kontinente, dann ist es wieder Amor. Die Kieswege sind begrenzt von niedrigen Buchsbaumhecken, dazwischen eine sehenswerte Sonnenuhr sowie Rondelle mit Obstbäumen und - wenn der letzte Frost vorbei ist - Pflanzkübel mit Zitronenbäumchen.

Früchte sind auch indirekt Namensgeber der Gärten. In der griechischen Mythologie wuchs im Garten des Hesperos ein Baum, der goldene Äpfel trug. Die Töchter des Gottes mussten die goldenen Früchte vor Herakles bewachen, der sie rauben wollte, um seine Schuld zu sühnen. Diese Töchter, wunderschöne Nymphen, wurden die Hesperiden genannt.

Nicht nur der Bogen, der sich von der griechischen Mythologie zum Nürnberger Barock spannt, fasziniert den Fotografen Herbert Liedel. "Im Frühjahr blühen die Apfelbäume, im Sommer werfen die Hecken ihre Schatten, im Herbst verfärbt sich der wilde Wein und im Winter zieren manchmal Schneehäubchen die Steinfiguren. Das ganze Jahr über haben die Gärten ihren Reiz." Zig Mal zieht es Liedel pro Jahr in die Hesperidengärten, weniger zum Lustwandeln als zum Fotografieren - und immer wieder entdeckt er neue Motive und Stimmungen.

Einst hatte der 57-jährige, gebürtige Nürnberger Sozialwissenschaften studiert. Doch schon während des Studiums entdeckte er seine Liebe zur Fotografie. Zunächst war es nur die
Sport-, dann kam die Landschaftsfotografie hinzu. 1981 erschien sein erster Fotoband über den alten Ludwigskanal. Weitere Bücher und auch zahlreiche Filme sollten folgen. Zuletzt wandelte Liedel auf den Spuren von Albrecht Dürer nach Italien. Seinen Traum, mit einer seiner Fotografien im Museum of Modern Art in New York vertreten zu sein, hat sich zwar noch nicht erfüllt, doch in Franken ist Liedel, was die Fotografie angeht, längst eine Institution. Dort kennt er sich bestens aus und erweitert gleich seinen persönlichen Tipp: "Wer ein bisschen Zeit mitbringt, sollte unbedingt noch über den nahe gelegenen Johannisfriedhof schlendern."

Pfeil nach rechts Pegnitz, Tor zur Fränkischen Schweiz
Pfeil nach rechts Sumpfwälder bergen Naturschönheiten
Pfeil nach rechts Zu Fuß durchs Knoblauchsland
Pfeil nach rechts Spaziergang Hummelstein
Pfeil nach rechts Feldbahnen und Sigenaquelle
Pfeil nach rechts Am Eichenwaldgraben
Pfeil nach rechts Idyllisches Fabrikgut Hammer
Pfeil nach rechts Tiergarten im Winter
Pfeil nach rechts Der Stadtpark lockt
Pfeil nach rechts Hesperiedengärten